Stadt sucht neues Zuhause

Politiker geben das Rathaus an der Schulstraße auf / Im Dezember soll über Neubau beraten werden

 

Eine Entscheidung von großer Tragweite haben am Donnerstag die Elmshorner Stadtverordneten im Kollegiensaal des Rathauses getroffen: Die Sanierung des denkmalgeschützten Rathauses wird nicht weiter verfolgt, die Verwaltung soll anderweitig untergebracht werden und wird beauftragt, nach einem neuen Domizil zu suchen. Die unterschiedlichen Optionen sollen den Politikern möglichst schon zur Kollegiumssitzung am 8. Dezember zur Entscheidung vorgelegt werden. Die Vertreter aller Fraktionen stimmten für den Beschluss, lediglich die fünf Abgeordneten der Wählergemeinschaft Elmshorn (WGE/Die Grünen) votierten dagegen.

 

Die Redner der SPD, CDU und FDP sprachen sich für einen Auszug aus dem Rathaus aus, weil die notwendige und denkmalgerechte Sanierung zu teuer wird. Sie käme zudem einer kompletten Entkernung des Gebäudes gleich, würde aber trotzdem energetisch und funktionell einen Neubaustandard nicht erreichen. Allgemein bedauerten die Redner, das Kulturdenkmal als Rathaus aufgeben zu müssen.

„Es bleibt kein anderer Weg“, sagte zum Beispiel der CDU-Fraktionschef Andreas Hahn und bekannte, dass die Christdemokraten nicht gerade glücklich mit der Entscheidung seien.

 

„Wir haben uns schwer getan“, meinte auch SPD-Fraktionschefin Beate Raudies zur Abstimmung und Bürgermeisterin Brigitte Fronzek (SPD) erklärte während der Versammlung: „Wir hoffen alle inständig, dass es nicht abgerissen wird.“

 

Es soll jetzt eine Alternative für die Verwaltung gesucht werden. Das könnte ein eigener Neubau der Stadt genauso sein wie ein Mietobjekt oder eine Zusammenarbeit mit einem Investor. Das Kollegium, so der Beschluss, geht davon aus, dass bei der Suche nach einem neuen Zuhause der Verwaltung „der Grundsatz der Stärkung der Innenstadt weiter eine vorrangige Rolle spielt“.

 

Damit die Verwaltung bis zum Bezug eines neuen Objektes noch im Rathaus bleiben kann, bewilligten die Stadtverordneten einstimmig das erforderliche Geld für Brandschutzmaßnahmen und andere Mängelbeseitigungen (EN berichteten).

 

Gegen die Aufgabe des Rathauses sprach der Fraktionsvorsitzende der WGE/Die grünen, Peter Hölzel: „Wir geben einen architektonisch wertvollen Bau auf und bekommen einen mittelmäßigen Zweckbau.“ Außerdem sollte noch keine Entscheidung gefällt werden, weil noch ein vom Denkmalschutzamt in Auftrag gegebenes Gutachten erst Ende Oktober vorgestellt werde.

 

Die anderen Fraktionen wiesen darauf hin, dass die Misere mit den zum Teil „unterirdischen“ Arbeitsbedingungen im Rathaus seit Anfang 2008 diskutiert werde, die Zeit der Gutachten vorbei sei und Entscheidungen getroffen werden müssten.

 

Selbstkritisch meinte die Bürgermeisterin mit Blick in die Vergangenheit: „Wir haben früher viel zu wenig untersucht.“ Jetzt sei in kürzester Zeit eine Hiobsbotschaft nach der anderen eingetroffen. Und Andreas Hahn war sich in Sachen Brandschutzmängel sicher: „Das konnte auch damals schon nicht in Ordnung gewesen sein.“ Beate Raudies hofft, dass Denkmalschützerin Dr. Astrid Hansen aus Kiel mit ihrer Aussage Recht behalte. Sie hatte in Elmshorn gesagt, dass Investoren das denkmalgeschützte Rathaus mit Kusshand nehmen und sanieren würden.

 

Carsten Petersen

Elmshorner Nachrichten vom 1. Oktober 2011